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Schöpfungsberichte, sogenannte Hexaemera, haben seit Jahrhunderten christliche Autoren inspiriert. Sophia Dege-Müller widmet sich in ihrer Studie einer eigenen Literaturgattung hierzu, die nach ihrem Hauptwerk Aksimaros-Literatur genannt wird. Der Aksimaros ist die altäthiopische Übersetzung des Hexaemeron des Pseudo-Epiphanius von Salamis. Diese Texte sind in Äthiopien und Eritrea sehr populär geworden, und ihre Motive haben sich weit verbreitet, sodass sie nicht nur in verschiedenen Sprachen vorliegen (Altäthiopisch (Ge’ez), Amharisch und Tigrinya), sondern auch Einzug in die äthiopische Kunst und das magische Heilwesen gefunden haben. Durch künstlerische Darstellungen mit deutlichem Textbezug zum Aksimaros kann die Entstehung dieser Literatur in das 15. Jahrhundert datiert werden. Besonders sticht dabei das Leitmotiv der Aksimaros-Literatur hervor: der Engelkampf. Die Texte beschreiben, wie Gott zehn Chöre der Engel erschafft. Am vierten Schöpfungstag jedoch verdirbt einer der Ränge und stellt sich im Kampf gegen die anderen, Gott ergebenen, Engel. Anspielungen auf dieses Leitmotiv finden sich in einer großen Anzahl weiterer Schriften wie Heiligenviten, Königschroniken oder exegetischen Texten. Auch werden im traditionellen Heilwesen geistige Erkrankungen damit begründet, dass sogar ehemals heilige Engel in ihrem Charakter verdarben.
Der Kampf der Engel im Aksimaros befasst sich mit der gesamten Literaturgattung und zeigt auf, wie sich das Leitmotiv des Kampfs der Engel verbreitet hat. Nicht zuletzt verdeutlicht die Autorin darüber hinaus, wie eng die äthiopischen Texte mit jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen verknüpft sind. |