Sozialpolitik statt Wohltätigkeit
Der Konzeptionswandel städtischer Fürsorge in Sankt Petersburg von 1892 bis 1914
[68]
series: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte
volume: 68
pages/dimensions: ca. 223 Seiten - 24 × 17 cm
binding: Gebunden
weight: 550
publishing date: 1. Auflage 30.03.2007
price info: 68,00 Eur[D] / 70,00 Eur[A] / 116,00 CHF
ISBN: 978-3-447-05439-3
More titles of this subject:Russia/Ukraine: History
   68,00 Eur
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden in den Metropolen des Russischen Reichs erste Versuche einer Reform der Armenfürsorge unternommen, die breitere Armutsschichten zu erfassen suchten. Sie reichten von Maßnahmen zur Eindämmung des Bettlerwesens über den Versuch, Arme mithilfe des Elberfelder Systems zielgerichtet zu unterstützen, bis hin zu konkreten sozialpolitischen Maßnahmen in Gesundheit, Bildung und Wohnungspolitik. Diesen Reformprozessen innerhalb der städtischen Sozialfürsorge war einer der wichtigsten gesellschaftlichen Paradigmenwechsel im Russland des 19. Jahrhunderts vorangegangen: Die Veränderung der Einschätzung von Armut und ihren Ursachen. Anders als im puritanisch-protestantischen Teil Europas setzte sich im zarischen Rußland immer mehr das Verständnis durch, dass Armut nicht als eine Charakterschwäche und Folge individuellen Versagens begriffen werden dürfe, sondern als Ausdruck eines sozio-ökonomischen Strukturproblems. Am Beispiel von Sankt Petersburg wird der Frage nachgegangen, inwieweit die städtische Selbstverwaltung unter dem Druck des generellen sozialen Wandels die Prinzipien der Armenfürsorge in Richtung einer zielgerichteten Sozialpolitik umwandelte. Hieran knüpft die Frage nach der Reformfähigkeit des zarischen Rußlands in seiner Endphase an, konnte doch die Armutsfrage nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden.