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Ulrike Gleixners Studie folgt dem komplexen Wirken des breitgespannten Unterstützungsnetzwerkes der Dänisch-Englisch-Halleschen Südindienmission. Unter mikrohistorischer Lupe wird das deutschsprachige Missionsnetz in seiner Expansionsphase von 1730 bis 1770 betrachtet: Welche gesellschaftlichen Schichten agierten in dem Netz, warum entschlossen sich Personen zu spenden, welche Position nahm das Hallesche Waisenhaus in der trilateralen Organisation ein und welche Rolle spielten Emotionspraktiken in der Kommunikation? Als erfolgreicher Kommunikator im rasch wachsenden Unterstützernetzwerk tritt Gotthilf August Francke (1696–1769) aus dem Schatten seines Vaters, in den ihn die pietistische Traditionsbildung verbannt hat. Während der Einfluss des Millenarismus für die Ausbreitung protestantischer Missionen in der atlantischen Welt relativ gut untersucht ist, beleuchtet Gleixner erstmals dessen Bedeutung für pietistische Missionsunternehmungen. Der Buchtitel übersetzt die zentrale pietistische Chiffre von der notwendigen Ausbreitung des irdischen ‚Reiches Gottes‘ in die interpretierende Wendung eines Pietistischen Empires. Die Netzwerkziele haben eine zweifelsohne millenaristische Grundierung, die die Praktiken der expansiven Frömmigkeit formen. Religiöse und koloniale Visionen sind in diesem Programm miteinander verflochten. In der Analyse der Briefkommunikation der Unterstützerinnen und Unterstützer tritt überraschend eine lutherische Heilsökonomie zutage, die auf dem Tausch von Spenden gegen Erlösungsaussichten basiert.
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