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Das Erbe der Romantik ist für die polnische Politik und Gesellschaft immer noch prägend. Karl Dedecius, Kulturmanager und Übersetzer, meinte: „Die Romantik ist für Polen das Lebenselixier. Sie leben mit ihren Dichtern und dem Wort, weil das Wort in Polen die einzige Materie war, die das polnische Volk zusammen gehalten hat. Was der Dichter geschrieben hat, das war Gesetz. Die Dichter sind in Krakau zusammen mit den Königen begraben worden, wo gibt es so etwas?“ Oft wird behauptet, dass man ohne den „romantischen Code“ der polnischen Literatur kaum die polnische Geschichte, Kultur und sogar die Gesellschaft und Politik von heute fassen kann. Unlängst noch galten Polen im „vernünftigen“ Westeuropa als „unverbesserliche Romantiker“, als hoch emotionale Menschen, die sich jenseits jeglicher Vernunft politische Ziele gesteckt hatten, von denen man von vornherein wusste, dass sie scheitern werden. Die polnische „Opferrolle“, ja eine ganze „Kultur des Scheiterns“ haben bis heute eine wichtige mobilisierende Kraft, wenn es um das Bild der eigenen Geschichte geht, das seinerseits Konsequenzen in der Erinnerungslandschaft und in der Gedenkpolitik hat. Diese Ideen dem deutschen Publikum in Erinnerung zu rufen ist die Aufgabe dieses Jahrbuchs, das vor allem versucht, die Ideen der Romantik in der modernen polnischen Gesellschaft zu identifizieren, zu analysieren und zu erklären.
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