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Das Einhorn ist ein Konglomerat, ein Patchwork, zusammengesetzt aus den unterschiedlichsten legendären Elementen, die sich um das herausragende Mythologem und Fruchtbarkeitssymbol Horn gruppieren. Seine Wurzeln liegen in vorchristlicher Zeit, in Indien und China. Der Charakter des mythischen Tieres stellt sich nicht einheitlich dar. Es fallen drei dominante Komponenten ins Auge: Erstens, der wilde Aspekt, bekannt aus dem „Tapferen Schneiderlein“: Das Untier ist gefährlich und angriffslustig – zoologisch beeinflusst vom indischen Panzernashorn. Zweitens, der gezähmte Aspekt: Es kann gezähmt und beruhigt werden, und zwar durch eine Frau, ob Hetäre oder reine Jungfrau. Die entscheidenden Impulse hierzu hat das Einhorn mit der Clan-Legende des Stammherren „Gazellenhorn“ (Ṛṣyaśṛṅga) in Indien erfahren, Sohn eines Einsiedlers und einer Gazelle. Drittens, das Glückssymbol, welches sich von dem chinesischen Fabeltier Qílín 麒麟 herleitet, einem liebenswerten Mischwesen, das in seiner Gestalt die Attribute mehrerer Tierarten auf sich vereint, wie es in der Vorstellungswelt des Animismus den „Herrn der Tiere“ auszeichnet. Mit Wunderkräften versehen, wird das Unicorn schließlich zum Heils- und Friedensbringer für alle Wesen. Marion Meisig legt mit Unicorn eine motivgeschichtliche Untersuchung auf philologischer Grundlage vor. Die relevanten Quellentexte in Sanskrit, Pāli und Chinesisch werden in deutscher Übersetzung dargeboten.
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