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Felix Herrmann untersucht in Rote Rechner erstmalig umfassend, wie die UdSSR im Kalten Krieg ihre Computerindustrie organisierte. Während sie in Raumfahrt und Rüstung auf Augenhöhe mit den USA operierte, sah sie sich bei den digitalen Technologien einem wachsenden Abstand zur Systemkonkurrenz gegenüber.
Anhand von Archivdokumenten aus der Sowjetunion und der DDR sowie Materialien der CIA rekonstruiert die Studie die verschlungenen Prozesse, die zur Verpflichtung der Verbündeten auf eine grenzüberschreitende Kooperation und zum Nachbau von westlichen Rechnern im gesamten Ostblock führten. Sie zeigt, dass das Streben nach technologischer Souveränität mit politischen Interessen, dem Ringen um Absatzmärkte sowie den Mechanismen der Planwirtschaft verflochten war – und wie sich die unterschiedlichen Ziele in der Praxis oftmals widersprachen und dadurch Ostblockstaaten wie der DDR neue Möglichkeiten im Austausch mit der UdSSR eröffneten. Rote Rechner leistet damit einen Beitrag zur Wirtschafts- und Technikgeschichte des Kalten Krieges und zugleich zur aktuellen Debatte um digitale Souveränität. |