|
|
Die Grundlage dieser Studie von Gottwald Bergkessel bilden die Balladen des Petrica Kerempuh des kroatischen Autors Miroslav Krleža – ein erstmals 1936 veröffentlichter und in seiner finalen Fassung 34 Balladen umfassender Zyklus. Die literarische Schönheit und Tiefe dieses Werks, das Krleža in einem spezifischen „Hybridkajkavisch“ mit verschiedenen anderen Sprachkomponenten verfasste, zeigen sich signifikant in den ausgewählten 21 Balladen. Sie reflektieren mehrere Jahrhunderte kroatischer Geschichte, in denen der Bauernaufstand des Matija Gubec von 1573 sowie die fortwährenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich die prägenden Ereignisse sind. Im Zentrum steht das Leiden der einfachen Bevölkerung unter langwährender Herrschaft und Fremdherrschaft.
Ohne die beigefügten Interpretationen und Erläuterungen sind die oft „kryptischen“ Balladen nicht zu verstehen. Sie haben eine dreifache Struktur: Erstens die „Geschichte“ selbst, zweitens die in ihr verborgenen Verweise („Fährten“, Andeutungen über philosophische Texte und Bibelworte), die als Drittes in Beziehung zu der erzählten „Geschichte“ gebracht werden müssen. Der poetische Text liefert das Fundament einer kroatischen Vergangenheit, die zu deuten ist: Emotionen, Gefühle der Ausweglosigkeit, Phantomschmerzen erlittener Peinigungen, Demütigungen, Not und Unterdrückung. |