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Prophetie gehört zu den zentralen Phänomenen vormoderner Wissenskulturen – und stellt zugleich eine ihrer größten Herausforderungen dar: Wie lässt sich ein Wissen denken und begründen, das seinen Ursprung in göttlicher Offenbarung beansprucht, sich jedoch jenseits begrifflicher Fassbarkeit und empirischer Verifizierbarkeit bewegt?
Prophetic Knowledge widmet sich der Prophetie als spezifischem Wissensmodus und fragt nach ihren epistemischen, materialen und medialen Bedingungen. Im Zentrum steht die grundlegende Paradoxie von Offenbarung als eines zugleich enthüllenden und verhüllenden Geschehens: Sie manifestiert sich in Visionen, Träumen, Stimmen oder Bildern, die gedeutet, übersetzt und autorisiert werden müssen. Damit rücken nicht nur Formen übersinnlicher Erfahrung in den Blick, sondern auch deren Einbettung in anthropologische, medizinische und philosophische Wissensbestände. Zugleich ist Prophetie untrennbar mit Fragen von Autorität, Legitimation und institutioneller Ordnung verbunden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Figur des bzw. der Prophet:innen als Vermittler:innen zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre. Diese Rolle konstituiert sich im Zusammenspiel von Inspiration und Deutung, sowie in Verfahren sozialer wie institutioneller Autorisierung. Prophetisches Wissen erscheint damit nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Ergebnis komplexer Aushandlungen, in denen sich die Legitimität einer offenbarten Botschaft und ihres Boten wechselseitig stabilisieren. Die in diesem Band vorgestellten Beiträge fragen aus transdisziplinärer wie transkultureller Perspektive nach den Verhandlungen von Wissen, Offenbarung und Autorität im Medium der Prophetie in vormodernen Wissenskulturen. |