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Rütten, Thomas
Geschichten vom Hippokratischen Eid
Sprache: Deutsch
Ausstattung: CD-ROM
Abmessungen: 14,00 × 12,50 cm
Gewicht: 100g
Edition: 1. Auflage
Erscheinungsdatum: 02.01.2008
Preise: 20,00 Eur[D] / 20,20 Eur[A]
ISBN: 978-3-447-05679-3
20,00 Eur

Die vorliegende CD-ROM. trägt dem Sachverhalt Rechnung, dass nicht von dem Eid des Hippokrates die Rede sein kann, der die abendländische Medizin in ethischer Hinsicht auf einem unwandelbaren Kurs gehalten hätte. Es geht vielmehr um sämtliche Texturen, die unter dem Namen „Eid des Hippokrates“ auf uns gekommen sind und ihn weiterhin beerben. Und wie die Rückführung der Vielzahl der mit einem solchen Kollektivtitel ausgezeichneten Textfassungen auf einen einzigen Stammtext nicht möglich erscheint, so kann auch die Wirkungsgeschichte solch divergierender Texte nicht im Singular erzählt werden. Jede Eidtextur hat ihre eigene Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte, jede Textredaktion ihre eigenen raumzeitlichen Koordinaten, die ihr Sinn und Bedeutung geben. Ja, sogar die Zuschreibung all dieser Fassungen an Hippokrates ist fraglich, wenn damit eine historische Figur gemeint ist, die im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert gelebt, als Arzt gewirkt und geschrieben hat. Die CD-ROM versucht, der Multiversalität der Eidgeschichten Rechnung zu tragen und verlagert damit die Aufmerksamkeit der Forschung von den Kardinalfragen Datierung und Verfasserschaft, Ursprungstext und Filiationen, Verfasserabsicht und intendierter Leserschaft hin zu rezeptionsgeschichtlichen Fragestellungen.

In sechs Hauptpfaden wird die Wirkungsgeschichte der Eidfassungen durch die Zeiten hindurchdekliniert. Aus pragmatischen Gründen wurden diese Zeiten in die historischen Epochen Antike (bis c. 500 n. Chr.), Mittelalter (bis c. 1450 n. Chr.), Renaissance (bis c. 1580 n. Chr.), Frühe Neuzeit (bis c. 1650), Neuzeit (bis ca. 1850) und Moderne (bis in die Gegenwart) gegliedert.

Ein weiteres Gliederungsprinzip ergibt sich aus der Struktur des hippokratischen Eides, wie er in den meisten Handschriften als textus receptus überliefert ist. Ein Bildungsgesetz der CD-ROM besteht darin, für jeden dieser Abschnitte mindestens ein Rezeptionsphänomen pro Epoche in Text und Bild darzustellen. Eine Einleitung zu jedem einzelnen Hauptpfad faßt einige Characteristica der Eidrezeption in der jeweiligen Epoche zusammen und stellt eine für die jeweilige Epoche repräsentative Textgestalt des Eides in Reproduktion, Transkription und Übersetzung ins Deutsche vor, so daß dem Nutzer bei der Lektüre der rezeptionsgeschichtlichen Vignetten der Text- und Quellenbezug jederzeit möglich ist, Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte mithin Hand in Hand gehen.

Hinzu kommen drei durch Symbole gekennzeichnete Nebenpfade, in denen die Eidrezeptionen unter den Aspekten „Kitsch und Kunst“, „Text und Verständnis“ und „Recht und Unrecht“ in Wort und Bild beleuchtet werden, wiederum eigens für jede der sechs Epochen.

Die Mehrdimensionalität der CD-ROM mit ihrer Zeit- und Eidabschnittsachse in den Hauptpfaden und ihrer Zeit- und Themenachse in den Nebenpfaden erlaubt den NutzerInnen, die unterschiedlichsten Leseschneisen in die CD-ROM zu legen.

In jedem Fall mag die CD-ROM dazu beitragen, eines der wirkungsmächtigsten Phänomene westlicher Medizin, wenn nicht gar abendländischer (und zeitweise auch morgenländischer) Kulturgeschichte ins Bewußtsein einer interessierten Öffentlichkeit zu rücken.

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